Rückblick: Konferenz „Polyzentrale territoriale Entwicklung“ (11.11.11)

In Europa, der Großregion und in Luxemburg ist „polyzentrale territoriale Entwicklung“ ein wesentliches Ziel der Politik. Aber was heißt das eigentlich? Diese Frage stand im Mittelpunkt der Konferenz, die am vergangen 11. November vom ESPON Contact Point Luxemburg in Walferdange stattfand.

Anhand von Resultaten des ESPON Programmes wurden diverse Facetten von Polyzentralität illustriert: Polyzentralität beruht auf Wechselbeziehungen zwischen den Polen eines räumlichen Systems. Insofern sind insbesondere die ökonomischen, demographischen, kulturellen Verbindungen zwischen ihnen zu analysieren. Polyzentralität gibt es nicht nur zwischen Städten gleicher oder verschiedener Größe, sondern auch zwischen Städten, Stadtregionen und ländlichen Räumen. Der polyzentrale Charakter eines Raumes hängt also vom Maßstab und den Wechselbeziehungen ab. Aus dieser Perspektive ist Luxemburg in Europa zweifellos gut positioniert (Wirtschaft, Erreichbarkeit), aber es muss auch einige Herausforderungen annehmen, sowohl innerhalb des Landes als auch in grenzüberschreitender Hinsicht (Raumplanung, Transport etc.).

Am Anschluss an diverse Referate hat eine Podiumsdiskussion insbesondere die grenzüberschreitende Dimension und den Mehrwert von Polyzentralität debattiert. Mitgewirkt haben Romain Diederich (Premier Conseiller du Gouvernment MDDI), Camille Gira (Vizepräsident der Kommission für nachhaltige Entwicklung, Abgeordnetenkammer), Detlev Goetz (Koordination Quattropole), Pierre Mellina (Bürgermeister von Pétange und Vizepräsident von SYVICOL) und Paul Weidig (Conseiller communal d’Esch-sur-Alzette).

Table ronde
Von links nach rechts: Tobias Chilla, Pierre Mellina, Paul Weidig, Romain Diederich, Camille Gira, Detlev Goetz

Vor allem drei Aspekte standen im Mittelpunkt:

  • Polyzentralität in der Großregion und in Luxemburg
    Die Teilnehmer thematisierten Polyzentralität als eine alltagsrelevante Frage, die sich nicht nur in politischen Gremien stellt. So lassen sich die zahlreichen Grenzpendler der Großregion auch als „polyzentrale Bürger“ interpretieren. Vor allem aber spielt die polyzentrale Organisation zwischen städtischen Polen (Luxemburg-Stadt, Esch-sur Alzette und der Nordstad) innerhalb Luxemburgs eine wichtige Rolle, hierbei ist allerdings zugleich die Balance zwischen städtischen Polen und den ländlichen Räumen zu berücksichtigen. Debattiert wurde hier insbesondere über die Frage der Instrumente, mittels derer eine ausgeglichene Entwicklung in den Regionen erreicht werden kann.

  • Einfluss der grenzüberschreitenden Dimension
    Die Teilnehmer haben die Bedeutung der grenzüberschreitenden Dimension in ihrem jeweiligen Arbeitsbereich betont: der PED in Pétange und das Projekt Belval sind hierfür Beispiele. Die EU bietet relevante Instrumente, besonders durch die Fonds INTERREG und das Tool EVTZ, um die Kooperation zu fördern. Diskutiert wurde hierbei die Option einer regionalen Verwaltung der Interreg-Fonds. Hervorgehoben wurde auch die Bedeutung von Projekten, die sich an die Zivilgesellschaft im grenzüberschreitenden Raum richtet.

  • Faktoren einer erfolgreichen territorialen Entwicklung
    Eine wirkliche Mehrebenen-Governance erscheint essentiell für eine erfolgreiche Entwicklung der Großregion, genauso wie die Koordination zwischen den verschiedenen Politikbereichen (Transport, Raumplanung, Wohnen, Wirtschaft). In der Zukunft wird es eine wichtige Herausforderung sein, die Zielvorstellung einer ‘grenzüberschreitenden polyzentrischen Metropolregion’ auch auf lokaler Ebene zu verankern. Die Potenziale einer solchen grenzüberschreitenden Entwicklungsstrategie werden vor allem auch darin gesehen, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit in Zeiten der Globalisierung zu sichern.



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